Laut und stark!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach dieser kraftvollen musikalischen Überleitung von Tobi Borke will ich gern noch mal anschließen an Detlefs Rede, in der für mich genau so viel Musik drin war, weil sie nämlich auch sehr kraftvoll war.
Detlef, ich sage vielen Dank für deine klaren Worte zu unserer „Charta Junge Generation“. Diese Charta ist für uns ein Meilenstein. Diese Charta, das sind die Forderungen der Jungen Generation, und das sind unsere Forderungen, damit alle wissen, worum es jetzt politisch geht. Und für die Durchsetzung dieser Forderungen werden wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren gemeinsam kämpfen. Dafür werden wir gemeinsam in den Ring steigen.
Alle, wie wir hier sind – und dazu noch die Kolleginnen und Kollegen, die heute leider nicht kommen konnten. Und wenn wir gemeinsam in den Ring steigen, dann sind wir laut, dann sind wir stark – und dann sind wir erfolgreich.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, vor ein paar Tagen war ich zur Vorbereitung des Aktionstages schon einmal hier in Köln. Ich bin an einem Nachmittag über den Neumarkt spaziert und habe mir vorgestellt, wie unser Tag hier ablaufen wird. Ich bin genau hier entlang gegangen – zwischen ganz normalen Leuten wie du und ich, jung und alt, beim Einkaufen oder auf dem Heimweg von der Arbeit – und habe mich darauf gefreut, denn ich wusste, wenn wir hier sind, dann wird hier ordentlich was los sein. Und uns wird niemand übersehen. Und genau so ist es heute: Wir sind hier, wir sind laut, wir sind stark – und deshalb kann uns heute keiner mehr übersehen, Kolleginnen und Kollegen!
Damals, vor ein paar Tagen, da habe ich mich dort hinten hingesetzt und auf die Straßenbahn gewartet. Und weil ich etwas Zeit hatte, habe ich meine Zeitung aufgeschlagen. Und dann dachte ich: Mich trifft der Schlag. Denn da diskutierte eine illustre Runde aus Politik und Wirtschaft über die Jugendproteste in England. Und die haben gesagt, in Deutschland könnte so etwas nicht passieren. Und zwar weil Politik und Wirtschaft sich viel zu gut um die Jugendlichen kümmern würden. Ich glaub’ mein Schwein pfeift, Kolleginnen und Kollegen!
Die Junge Generation in Deutschland heute
Wo stände die Junge Generation in Deutschland denn heute, wenn nicht WIR als IG Metall dafür gesorgt hätten, dass es für die Jugend in den Betrieben mit der Übernahme wieder eine Perspektive gibt? Wo stände die Junge Generation in Deutschland denn heute, wenn nicht WIR als IG Metall das Thema Leiharbeit auf die betriebliche, tarifliche und politische Agenda gesetzt und massive Verbesserungen für Leiharbeiter durchgesetzt hätten?
Und was würden Politik und Wirtschaft denn erzählen, wenn WIR, die mit Abstand größte politische Jugendorganisation in Deutschland – denn genau das ist die IG Metall Jugend – was würden Politik und Wirtschaft denn erzählen, wenn wir nicht verhindert hätten, dass es für diese Herren so läuft, wie sie sich das eigentlich ausgerechnet haben? Wenn wir nicht verhindert hätten, dass die Junge Generation noch mehr Schläge unter der Gürtellinie einstecken muss?
Und wenn der Kessel dann auch hier explodiert wäre, Kolleginnen und Kollegen?
Ich kann es euch sagen: Sie hätten sich herausgeredet. Sie hätten die Schuld von sich gewiesen, sie hätten gesagt, dass man in Krisenzeiten den Gürtel halt „enger schnallen muss“ und dass es dazu keine Alternative gegeben hätte. Sie hätten gesagt, dass man nie weiß, was die Zukunft bringt und dass die Zeiten halt so sind, wie sie sind. Mit solchen Phrasen hätten sie die Verantwortung abgelehnt, so wie die Verantwortlichen für die Situation in England auch ihre Verantwortung zurückweisen. Und dabei hätten sie insgeheim wahrscheinlich gedacht: Jedem das Seine – und mir das Meiste.
Kolleginnen und Kollegen. Auch in Deutschland haben Proteste stattgefunden und finden immer noch statt. Viele von uns haben sich daran auch beteiligt: Am Bildungsstreik und an den Anti-Atomprotesten, um nur zwei zu nennen.
In ganz Europa erhebt sich die Jugend gegen Perspektivlosigkeit. Es finden Proteste statt: In London, in Paris, in Wien, in Athen, in Rom – und auch in Israel. In der ganzen Welt erleben wir gerade, wie solche Proteste in große historische Umbrüche münden: In ganz Nordafrika, in Libyen, in Syrien und im Jemen. Was wir hier erleben, hat weltgeschichtliches Format. Und auch bei uns hier bewegt sich einiges – und die IG Metall und ihre Jugend ist mittendrin, und noch mehr: Wir mischen ganz vorne mit, Kolleginnen und Kollegen!
Größte politische Jugendorganisation: IG Metall Jugend
Und während die etablierten politischen Parteien sich wundern, warum ihnen die Jungen in Scharen davonlaufen, weil sie noch gar nicht wirklich überrissen haben, was hier gerade passiert, zur gleichen Zeit werden wir immer mehr. Die IG Metall Jugend wächst und wächst und wird immer lauter und stärker – wir passen ja schon gar nicht mehr hier auf den Neumarkt, Kolleginnen und Kollegen!
Mit 10.000 Teilnehmern haben wir gerechnet, als wir mit der Planung unseres Aktionstags begonnen haben. Das ist jetzt gerade mal einige Monate her. Und mit wie vielen jungen Leuten stehen wir heute hier? Wie viele sind wir hier und heute? Ich kann es euch sagen, Kolleginnen und Kollegen: Wir sind nicht 10.000, wir sind nicht 15.000, wir sind nicht 20.000 – wir sind 25.000, Kolleginnen und Kollegen – das ist absoluter Mobilisierungs-Rekord!!!
Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Stärke werden wir nutzen. Denn jetzt werden wir von hier aus eine ganz andere Runde einläuten.
Denn, wenn ich mir das hier anschaue, dann sehe ich: Wir sind kein Fliegengewicht. Wir müssen uns nicht verstecken. Nein, wenn wir für die Junge Generation kämpfen, dann kämpfen wir in der Königsklasse. Und wenn ich mir anschaue, was wir bis hierher schon alles erreicht haben – und das ist eine Menge – dann sehe ich gleichzeitig, was uns besonders auszeichnet, Kolleginnen und Kollegen: Unsere Siegermentalität. Und eine beachtliche Erfolgsstory.
Zahlreiche Erfolge in den letzten Jahren
Ich sehe etliche erfolgreiche Vereinbarungen zur Leiharbeit und zur Übernahme von Auszubildenden, die wir schon gemeinsam erkämpft haben. Vereinbarungen, die es den Jungen ermöglichen, über ihre tägliche Arbeit hinaus eine Perspektive für die Zukunft zu sehen. Vereinbarungen, die die Jungen mitten in die Gesellschaft hinein führen – und nicht an deren Rand, wo sie mancher Politiker oder Unternehmer gerne hinschieben würde. Vereinbarungen, die jungen Leuten ermöglichen, ein lebenswertes Leben zu beginnen und zu führen. Vereinbarungen, die wir mit der ganzen IG Metall erkämpft haben und die für alle gelten sollen.
Ich sehe auch eine Junge Generation, die mit kreativen Aktionen in den Betrieben ihre Ziele verfolgt und auch erreicht. Eine Generation, die mit der Operation Übernahme schon im ganzen Land die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gelenkt hat. Eine Generation, die Social Media und das Internet gekonnt nutzt, um jeden Skandal – ob am eigenen Arbeitsplatz oder in anderen Betrieben – bekannt zu machen und öffentlich zu diskutieren. Ich sehe junge, mündige Menschen, die wissen, was sie wollen und die wissen, wo sie stehen. Auf beiden Beinen, mitten im Ring, im Kampf um ihre Perspektive.
Und ich spüre jeden Tag den Mut und die Entschlossenheit einer Jugend, von der noch immer gerne gesagt wird, sie wäre „unpolitisch“. Und wenn ich mich jetzt hier so umschaue, frage ich mich wirklich, wer zum Teufel eine solche Behauptung jemals aufgestellt hat und mit welchem Recht. Das muss doch wohl ganz offensichtlich jemand gewesen sein, der sich schon seit zehn Jahren nicht mehr mit einem Jugendlichen unterhalten hat! Jemand, der noch nie danach gefragt hat, was wir uns vorstellen von der Arbeit und vom Leben! Denn anders, liebe Kolleginnen und Kollegen, anders kann ich mir eine solche weltfremde Ignoranz überhaupt nicht erklären! Oder seid ihr alle hier etwa zufällig vorbeigekommen, weil ihr gerade in der Nähe wart?
Gemeinsames Ziel: Die unbefristete Übernahme
Und damit sind wir nämlich beim wahren Grund, warum die Junge Generation in Deutschland noch nicht das Handtuch geschmissen hat: Weil WIR nämlich gemeinsam in der Lage sind, so etwas wie das hier zu organisieren und heute alle gemeinsam hier zu stehen! Weil wir als IG Metall seit Jahren erfolgreich dafür kämpfen! Weil wir laut sind, weil wir stark sind und weil jeder weiß, so werden wir auch weitermachen, Kolleginnen und Kollegen! Für eine Zukunft mit Perspektive, für sichere und faire Arbeit und – für ein selbstbestimmtes Leben, Kolleginnen und Kollegen. Und zwar: UNBEFRISTET!
Aber wenn ich dann von den Summen höre, Kolleginnen und Kollegen, von den Unsummen, mit denen irgendwelche Manager abgefunden werden, weil sie nicht mehr tragbar sind, und wenn ich dann mit einem jungen Kollegen spreche, der eine gute Ausbildung hingelegt hat und danach nicht übernommen wurde, dann frage ich mich: Warum ist das immer noch so? Warum zahlen die, die ihren Job gut machen, immer noch drauf und warum kriegen die, die ihren Job schlecht oder gar nicht machen, immer noch mehr?
Und dann fällt mir nur eine Antwort ein auf diese Frage, Kolleginnen und Kollegen: Weil WIR gerade erst angefangen haben. Weil die Junge Generation noch immer und noch allzu oft als das schwächste Glied der Gesellschaft ausgenutzt wird, hier lässt sich am einfachsten kürzen, streichen und Löhne drücken – wir sind ja Einsteiger, die sich noch „beweisen müssen“ und vieles mit sich machen lassen. Aber so einfach ist das nicht, Kolleginnen und Kollegen. Denn WIR haben gerade erst angefangen. Unsere Operation Übernahme war der Gong zur ersten Runde – und wir bei der IG Metall wissen, dass ein Kampf über zwölf Runden geht. Und wir wissen, wir haben die Kraft für die ganze Distanz.
Mit der Operation Übernahme haben wir in dieser ersten Runde schon einige sehr gute Treffer gelandet. Da waren auch schon so einige Volltreffer dabei, mit der wir die betrieblichen Verhältnisse hier und da ganz schön ins Wanken gebracht haben. Und wenn wir diese Kraft und diese Power jetzt gemeinsam in die Tarifrunde hineintragen, dann wird das mindestens ein Punktsieg, wenn nicht gar ein klares K.O.,
Kolleginnen und Kollegen! Und wir haben hier und heute mit der „Charta Junge Generation“ schon die Folgerunden eröffnet und auf unseren Sieg gewettet – und damit werden wir so manchen direkt auf die Bretter schicken, Kolleginnen und Kollegen!
In jeder anstehenden Verhandlung, in jedem Gespräch über die Übernahme und über sichere und faire Arbeit, in unserem Kampf für gerechte Chancen auf Bildung und Ausbildung werden wir von jetzt an mit noch breiterer Brust auftreten. Denn unsere „Charta Junge Generation“ macht allen klar, welch hohen Stellenwert das Thema Jugend in der gesamten IG Metall wird. Und die Operation Übernahme macht allen klar, wie ernst die Junge Generation zu nehmen ist. Wir sind kein Sparringspartner, an dem sich Unternehmer oder Politiker einfach so vergreifen können, dem man Kürzungen, Praktika, Leiharbeit oder andere prekäre Verhältnisse aufdiktieren kann. Im Gegenteil: Die IG Metall und ihre Jugend ist ein Gegner, mit dem man besser keinen Ärger haben möchte und gegen den man besser nicht unfair zu kämpfen versucht, wenn man mit ihm im Ring steht,
Kolleginnen und Kollegen!
Symbolik des Boxhandschuhs: Stärke und Durchhaltevermögen
Liebe Kolleginnen und Kollegen, für die kommende Tarifrunde und für unseren Kampf um die unbefristete Übernahme sind wir hervorragend aufgestellt. Und das sage ich nicht nur wegen unserer Boxhandschuhe, mit denen wir hier gleich alle miteinander unseren gemeinsamen Kampf für die Übernahme symbolisieren werden. Das wird zwar ein tolles Bild werden, aber dass wir hervorragend aufgestellt sind, dass weiß ich auch so. Weil ich uns kenne, weil ich weiß, was in uns steckt, und weil ich weiß, dass wir gemeinsam eine ungeheure Stärke aufbauen können, Kolleginnen und Kollegen.
Und das werden wir jetzt gemeinsam tun. Zuerst müssen wir die unbefristete Übernahme in den Betrieben mehrheitsfähig machen. Da sind wir alle gefragt, jeder einzelne von uns, hier zählt jedes einzelne Mitglied und jede Aktion. Dann müssen wir die unbefristete Übernahme in die entscheidenden Gremien vor Ort tragen, damit sie eine Top-Forderung in unserer Tarifrunde wird. Und schließlich müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir noch mehr werden, um noch stärker in der Tarifrunde selbst aufzutreten – bis hin zum Streik.
Diese Stärke haben wir, Kolleginnen und Kollegen, denn unser Grundlagentraining ist hervorragend gelaufen –und unsere Tarifkampfvorbereitung hat schon begonnen. Und wenn wir jetzt bald im Ring stehen, mitten in einer großen Tarifrunde, dann ist eine Sache mental entscheidend: Dass wir uns alle daran erinnern, es geistig präsent haben und es körperlich spüren können, was das hier und heute für eine Power ist, wenn wir alle zusammenstehen. Und das wir dieses Gefühl abrufbar haben. Dann werden wir nicht zu schlagen sein, Kolleginnen und Kollegen. Dann kriegen wir die Übernahme tariflich abgesichert – und zwar UNBEFRISTET!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht viele von euch werden den Boxer Jack Johnson kennen. Er war vor über hundert Jahren der erste afroamerikanische Schwergewichtsweltmeister. Ihr könnt euch vorstellen, wie hart die Zeiten damals für ihn waren. Und wisst ihr, was er damals nach dem entscheidenden Kampf gesagt hat? Er sagte: „Ich habe nie an meinem Sieg gezweifelt.“ Und wenn ich euch hier sehe, dann habe auch ich keine Bedenken, dass wir unsere Ziele erreichen werden.
Also, Kolleginnen und Kollegen. Lasst uns jetzt gemeinsam in den Ring steigen. Lasst uns für eine gerechte Zukunft kämpfen. Lasst uns dabei fair bleiben – und vor allem: Lasst uns gewinnen.
Vielen Dank.
Die Rede als PDF zum Download


