Donnerstag, 23. Juni 2011

Frankfurt: Unbefristete Übernahme ist tarifpolistische Kernforderung 2012

Die IG Metall macht die unbefristete Übernahme von Auszubildenden zu einer ihrer tarifpolitischen Kernforderungen Anfang 2012. ''Bei der Übernahme drückt der Schuh so stark, dass wir sie auf jeden Fall zum Thema machen werden'', sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Auch der Kampf gegen ausufernde Leiharbeit werde ganz oben stehen, kündigte die im Vorstand für Tarifpolitik zuständige Gewerkschafterin an.
Der aktuelle Tarifvertrag in der Metall- und Elektrobranche garantiert den fertig Ausgebildeten eine Übernahme für nur ein Jahr. Aus Sicht der IG Metall ist das zu oft der Beginn von Beschäftigung ohne langfristige Perspektive. ''Da reiht sich eine Befristung an die andere und das über einen langen Zeitraum, in dem beispielsweise die Familiengründung ansteht'', sagte Schwitzer. ''Prekäre Beschäftigung ist ein Thema der Jugend.'' Niemand dürfe sich wundern, wenn junge Paare kinderlos bleiben. Angesichts der oft jahrelang unsicheren Beschäftigung sei das keine Überraschung.
Schwitzer sieht die Übernahmefrage eng verzahnt mit der boomenden Leiharbeit, die den Gewerkschaften seit langem ein Dorn im Auge ist. ''Einerseits beklagen die Arbeitgeber den Fachkräftemangel, aber andererseits übernehmen sie die Jugendlichen nicht, die sie selber ausgebildet haben.'' Die Unternehmen seien mit einem erheblichen Aufbau von prekärer Beschäftigung, nämlich Leiharbeit, aus der Krise gekommen. Nun im Aufschwung müsse der Trend enden.
Die Gewerkschafterin sprach von Lohnabständen an die 40 Prozent. ''Da werden wir versuchen, einen Riegel vorzuschieben, das sage ich ganz klar. Wir dürfen in den Unternehmen keine Menschen erster und zweiter Klasse zulassen.'' Falls mit den Leiharbeitsverbänden keine Lösung zu erreichen sei, werde die Gewerkschaft bei den Metallarbeitgebern ansetzen müssen.
Als Weg zum Ziel ''gleiches Geld für gleiche Arbeit'' (Equal Pay) nannte sie zwei denkbare Varianten: ''Es gibt zum einen die Option entsprechender Zuschläge, mit denen wir Equal Pay erreichen. Die andere Option ist, dass wir die Rechte der Betriebsräte stärken dafür, Leiharbeit überhaupt zuzulassen und die Bedingungen für sie zu regeln, etwa über eine betrieblich festzuschreibende Quote.''
Einer branchenweiten Obergrenze erteilte Schwitzer eine Absage. ''Was wir nicht wollen, ist eine Quote zu setzen. Es gibt so unterschiedliche Bedingungen, dass man auch unterschiedlich darauf reagieren muss.'' So könnten die Betriebsräte etwa bei der Zahl, aber auch bei der Einsatzdauer, den Arbeitsbedingungen und der Vergütung der Leiharbeitnehmer ansetzen. Im September wolle sich der IG-Metall-Vorstand mit dem Thema beschäftigen.
Zu einer möglichen Forderung über ein Einkommensplus sagte Schwitzer nur: ''Wir werden zum Ende des Jahres die wirtschaftliche Situation noch einmal genau betrachten und Anfang nächsten Jahres dann die Forderungsdebatte führen.'' Generell rechne sie mit eher viel Widerstand der anderen Tarifpartei. ''Die Runde wird nicht einfach werden, wenn zusätzlich zum Entgelt noch über andere Themen wie die Leiharbeitsfrage verhandelt werden muss.'' Auch bei der unbefristeten Übernahme sei der Konflikt wahrscheinlich.
(Quelle: dpa)

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