Samstag, 23. Oktober 2010

Jugendbündnis Mittelhessen für faire berufliche Perspektiven - Gießener Jugendkonferenz formiert sich zum Protestzug

Gießen, 23. Oktober 2010: Die Kongresshalle in Gießen ist fest in jugendlicher Hand: Rund 150 junge Menschen aus Marburg, Gießen und Wetzlar diskutieren über Bildung, Ausbildung und berufliche Perspektiven. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Nach Informationen der Konferenzleitung sind allein in Mittelhessen fast 19.000 junge Leute zwischen 20 und 30 ohne Berufsabschluss, ebenso viele unter 35 arbeiten im Niedriglohnbereich. Befristete Verträge (17.000 in Mittelhessen) und schlecht bezahlte Leiharbeit seien für die junge Generation die Regel.
   
Dagegen will das Jugendbündnis aus Gewerkschaften, politischen Jugendverbänden und Schüler- und Studierendenvertretungen von nun an den Protest formieren. „Wir sind die Experten, wenn es um Ausbildungsplatzmangel und befristete Jobs geht, denn wir sind betroffen davon“, sagte Daniel Müller, Jugendsekretär der IG Metall Mittelhessen, bei der Eröffnung der Konferenz. „Deshalb sind wir auch diejenigen, die auf dieser Konferenz zu Wort kommen sollen“.

Unterstützung bekam die Jugendkonferenz von prominenter Seite: Grußworte sprachen Gerhard Merz, integrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Ali Al Dailami, migrationspolitischer Sprecher der Partei „Die Linke“, Jochen Nagel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Ernst Richter, Regionsvorsitzender des DGB Mittelhessen. Alle waren sich einig darüber, dass die Ausweitung prekärer Beschäftigung das Leben nicht mehr planbar mache. Junge Menschen stünden zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Mittlerweile sind selbst Hochschulabsolventen betroffen, wie Anna Gäde vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Justus-Liebig-Universität Gießen erklärte. „Das zeigt, es gibt keinen individuellen Ausweg aus dieser Situation – wir können uns nur gemeinsam wehren“.

In einer kämpferischen Auftaktrede verwies Eric Leiderer, Bundesjugendsekretär der IG Metall, auf die Jugendproteste in Frankreich und auf die Bewegung gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“. Deutschland erlebe „eine regelrechte Welle einer neuen Protestkultur, die sich im ganzen Land verbreitet“ und es seien „vor allem die Jungen, die sich nehmen, was ihnen in der Demokratie gehört: Die Macht.“

Besonders viel Beachtung erhielt Leiderer für seine Thesen von der Transformation unserer Demokratie: „Was sich hier und heute als Bewegung formiert, das ist nichts geringeres als die Demokratie von morgen: Aus der Stellvertreter-Demokratie wird eine Beteiligungs-Demokratie. Und wir stehen mittendrin.“

Die anschließende Demonstration des Jugendbündnis’, die um 18.00 vor der Kongresshalle startete, entrollte zum Höhepunkt ein riesiges Transparent mit kapitalismuskritischen Parolen. Bundesjugendsekretär Leiderer betonte in seinem Statement zur Aktion die Notwendigkeit, „ohne Angst, ohne Scheuklappen und ohne Verarsche“ über „Alternativen zu Marktradikalismus und Ausbeutung“ nachzudenken. Dazu schwenkten die Protestierenden gelbe „Zukunftsschilder“ mit ihren persönlichen politischen Forderungen.

Leiderer sprach auch als Vertreter der bundesweiten Jugendkampagne „Operation Übernahme“, in der die Auszubildenden der IG Metall seit Anfang 2009 mit vielfältigen Aktionen in den Betrieben und auf der Straße von sich reden machen.

Höchst zufrieden mit dem Verlauf zeigten sich die Organisatoren. Ulrike Eifler, Jugendbildungsreferentin des DGB Mittelhessen erklärt erleichtert: „Wir hatten gehofft, aber natürlich nicht gewusst, dass die Konferenz auf derart viel Zuspruch stößt“. Die Resonanz zeige aber, dass junge Menschen mittlerweile sehr genau spüren, dass sie abgehängt werden. „Viele sind sauer und wollen einfach aktiv werden“.


Weitere Informationen zum Jugendbündnis Mittlhessen erhalten Sie bei:

Ulrike Eifler

Jugendbildungsreferentin des DGB Mittelhessen

0170 – 78 70 684
www.region-mittelhessen.dgb.de/themen/jugend/index_html

Weitere Informationen zur „Operation Übernahme“ erhalten Sie bei:

Eric Leiderer

Bundesjugendsekretär beim Vorstand der IG Metall

0170 – 33 33 865
www.operation-übernahme.de

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