IG Metall Jugend

Die Zukunft gehört uns


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24.01.09 Hintergrundinformationen Mit einer Stimme für unsere Zukunft.

Auftaktrede von Bundesjugendsekretär Eric Leiderer
zur Arbeitstagung der „Operation Übernahme“ in Erfurt,
23./24. Januar 2009

 

Mit einer Stimme für unsere Zukunft.

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

ich darf euch alle auch von meiner Seite recht herzlich begrüßen und vor allem ein frohes, gesundes erfolgreiches Kampagnenjahr wünschen.

Operation Übernahme: So heißt unserer neue Jugendkampagne, die wir hier und heute gemeinsam auf den Weg bringen. Und der Name ist Programm – denn es geht um das wichtigste Zukunftsthema für uns als junge Gewerkschafter: Es geht um die Übernahme aller Auszubildenden in unserem Organisationsbereich. Es geht um Zukunft, Sicherheit und Perspektiven.

Warum gerade diese Kampagne, warum das Thema Übernahme?

Die Übernahme nach der Ausbildung ist schon lange ein Kernthema der IG Metall Jugend. Aber heute – und das ist in den letzten Jahren noch einmal viel dramatischer geworden – ist für immer mehr junge Menschen die berufliche Zukunft vorbei, bevor sie richtig angefangen hat. Erst finden sie nur mit Glück einen Ausbildungsplatz um nach drei Jahren wieder auf der Straße zu stehen.

Politik und Arbeitgeber behaupten oft, Jugendarbeitslosigkeit sei vor allem ein Problem der Dummen und Faulen – der sogenannten „Minderqualifizierten“ oder „Bildungsfernen“. Aber wir alle wissen: Das ist ein scheinheiliges Arbeitgeberargument. Das ist eine dreiste Lüge.

„Wir haben es mit einer höchst leistungsorientierte Jugend zu tun, allerdings schafft es die Gesellschaft nicht, ihnen passende Perspektiven zu eröffnen.“

Im Jahr 2008 fehlten nach den Zahlen des DGB rund 187.000 betriebliche Ausbildungsplätze. Das sind 187.000 junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Und von denen, die das Glück hatten einen zu finden, wird die Hälfte am Ende bei der Agentur für Arbeit landen. Oder bei Hartz IV, oder als Leiharbeiter. Weil die Übernahme nach der Ausbildung immer mehr die Ausnahme ist und nicht die Regel.

Wenn überhaupt, sind nach der Ausbildung befristete Übernahmen die Regel. Nicht unwichtig, auf diese Weise wird zumindest ein bisschen Berufspraxis gesammelt. Aber dann? Was passiert nach der Befristung?

Viele werden arbeitslos. Einige davon nutzen diese Zeit und bilden sich weiter oder machen Umschulungen. Die meisten, die gleich Arbeit wollen,  werden sich in irgendwelchen Betrieben für Leih- und Zeitarbeit wieder finden: Mittlerweile ist jeder vierte Beschäftigte in dieser Branche unter 27 Jahren. Das Ergebnis: Junge Facharbeiter für 7 € die Stunde. Ohne Sicherheit, ohne Perspektive für unsere Kolleginnen und Kollegen.

Und das ist unser Thema, da wollen wir ran. Deshalb machen wir gemeinsam Operation Übernahme. Denn das müssen wir ändern.

Warum? Und warum gerade jetzt? Jetzt, wo alle von der Krise reden? Ist es realistisch und ist es schlau, gerade jetzt die unbefristete Übernahme zu fordern? Jetzt, wo die Kolleginnen und Kollegen in Betrieben Angst um ihre Jobs haben? Die ersten schon gehen mussten und viele auf Kurzarbeit sind? Wir sagen - ja!

Denn gerade jetzt müssen wir als Gewerkschafter Flagge zeigen. Vor der „Krise“ sind die Gewinne in der Industrie explodiert und die Arbeitgeberseite hat sich die Taschen voll gemacht. Aber die Azubis sind trotzdem nicht übernommen worden. Haben nach der Ausbildung dann gejobbt, für Bezahlung weit unter Tarif – oder als Leiharbeiter. Aber ohne geregeltes Einkommen und ohne faire Bezahlung keine Sicherheit. Und ohne Sicherheit keine Zukunft.

Deshalb brauchen wir Tarifverträge, die die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden festschreiben. Denn eine Ausbildung allein reicht heute bei weitem nicht mehr aus als Einstieg ins Berufsleben. Ohne entsprechende Berufserfahrung ist die Ausbildung ganz schnell wertlos geworden. Gerade in den technischen Betrieben, wo sich die Anforderungen ständig ändern, wo dauernd neue Kenntnisse gefragt sind. Deshalb brauchen wir die Übernahme. Für alle.

Aber „Tarif ist keine Einbahnstraße“ – den Spruch kennt ihr alle – und auch nicht die einzige Lösung für unsere Mitglieder in den Betrieben. Jede einzelne Verbesserung in der Übernahmesituation in jedem einzelnen Betrieb ist ein Erfolg: Hier fünf Azubis mehr, da ein halbes Jahr länger und dort wird endlich der Tarifvertrag umgesetzt – all das sind konkrete, spürbare Erfolge für unsere betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Es lohnt sich um jeden Einzelnen zu kämpfen. Weil jeder Einzelne es verdient hat, weil unsere Leute gute Arbeit leisten. Wir wissen doch, wer die Gewinne der letzten Jahre erst ermöglicht hat: Unsere Mitglieder in den Betrieben. Und wir wissen auch, dass gute Lösungen möglich sind. So wie bei Loewe-Opta in Kronach in Bayern, wo die Kolleginnen und Kollegen jetzt 3 Mio Euro bekommen haben, nachdem wir für eine Lohnstundung 25% Zinsen verhandelt haben. Oder wie bei Daimler, wo wir Jobgarantien bis 2012 rausgeholt haben. Gemeinsam mit unserer Mitgliedern.

Und deshalb setzt unsere Kampagne auf Beteiligung – von Anfang an. Sie setzt auf unsere Mitglieder: Auf viele Mitglieder, und auf aktive Mitglieder. Auf junge IG Metaller, auf Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die mit unserer Hilfe ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Die bereit sind, zu kämpfen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Mit unserer Unterstützung. Dafür steht Operation Übernahme: Für eine professionelle Organisierungs-Kampagne, die auf Mitglieder setzt. Auf Beteiligung. Und die keine Angst hat vor dem Konflikt. 

Und hier schließt sich der Kreis zur Kampagne „Gemeinsam für ein Gutes Leben“ – der großen gesellschaftspolitischen Kampagne der IG Metall für die junge Generation. Denn letztlich befindet sich die gesamte Generation unter 30, unsere Generation, in einer mehr als prekären Situation: Befristung, Teilzeit, soziale Absicherung... Alles unsichere Perspektiven, kaum Geld zum Leben – das ist genau das, was die Medien heute "Prekariat" nennen. Von den Minijobbern bis zu den Studenten, von den Azubis bis zu den Vollzeitschülern.

Und deshalb wird es Zeit, dass die junge Generation als Ganzes aufsteht und eine andere Zukunft einfordert. Deshalb wird es Zeit, das wir aktiv werden: Offensiv, mutig und selbstbewußt. Deshalb wird es Zeit, dass wir als größter politischer Jugendverband dieses Landes sagen: Die Zukunft gehört uns. Denn es geht um unsere Perspektiven. Und damit um die Zukunft der ganzen Gesellschaft

Und in den Betrieben fangen wir an. Und deshalb machen wir im ersten Schritt diese Konferenz und starten gemeinsam mit Operation Übernahme. Und zwar genau jetzt. Jetzt gehen wir nämlich gemeinsam auf die Straße.

Und mit unserer großen Licht-Aktion werden wir jetzt da draußen zeigen: Unsere Operation Übernahme hat begonnen. Jetzt gehen wir in die Offensive. Fordern die Übernahme, für alle, unbefristet, mit Nachdruck. Und beweisen: die IG Metall Jugend ist die einzige Organisation, die eine andere, eine bessere Zukunft für unsere Generation möglich macht. Die Zukunft gehört uns.

 

 

 

 

Die Rede als PDF

Zum Pressefoto von Eric Leiderer


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