IG Metall Jugend

Die Zukunft gehört uns


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10.06.10 Hintergrundinformationen Show Balls!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vielen Dank an unsere Mitstreiter vom Bildungsstreik für ihre klaren Statements und für ihre Unterstützung hier und heute. Vielen Dank und solidarische Grüße an die Kollegen in Stuttgart, Ulm, Rastatt, Aalen und Friedrichshafen, die in diesem Moment genau wie wir für eine gute Zukunft kämpfen und mit denen gemeinsam wir später ein deutlich sichtbares Signal mit unseren Zukunftsbällen setzen werden, das im ganzen Land beachtet wird.

Kolleginnen und Kollegen, es ist nicht mehr zu übersehen: Diese Tage stehen wieder ganz im Zeichen des Fußballs. Morgen ist Anpfiff in Johannesburg und wir hoffen natürlich, dass unsere Jungs in Südafrika am Ball bleiben und in vier Wochen mit dem ersehnten Pokal zurückkommen. Wir hoffen auch, dass wir in den nächsten Wochen viele spannende Wettkämpfe erleben, die partnerschaftlich und fair ausgetragen werden, dass von Südafrika ein Zeichen der internationalen Solidarität ausgeht und eine Botschaft der sportlichen Fairness. Fairness, das bedeutet, anständig zu sein, sich an die Regeln zu halten und Respekt vor der anderen Seite zu haben. Fairness, das bedeutet, den anderen nicht über den Tisch ziehen zu wollen und darauf zu achten, dass jeder zu seinem Recht kommt. Im Sport ist das meistens eine Selbstverständlichkeit, an die viele sich halten, weil sie wissen, dass es gar nicht anders geht.

Im Wirtschaftsleben geht es auf Dauer auch nicht anders – aber leider hat sich hier die eine Seite entschlossen, mit miesen Tricks zu arbeiten und schamlos ein Foul nach dem anderen auf den Platz zu legen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn es nach den Arbeitgebern geht, dann sollen sich die einfachen Beschäftigten in Zukunft mit Niedriglöhnen abfinden, von denen kein Mensch leben kann, während die hohen Herren sich ein ums andere Mal verzocken und zur Belohnung auch noch pervers hohe Summen einsacken, am besten steuerfrei. Darunter leidet die gesamte Gesellschaft, aber vor allem trifft es die Jungen. Eine ganze Generation wird in großem Stil um ihre Zukunft betrogen und soll sich mit einem Leben ohne Perspektiven für sich und ihre Kinder abfinden. Ein großer Teil von den Jungen muss in stetiger Unsicherheit leben. Das beginnt bereits im Schulsystem und zieht sich dann meist wie ein roter Faden durch das ganze Leben. Ein großer Teil von uns kennt sichere und fair bezahlte Arbeit nur noch vom Hörensagen und muss sich mit Leiharbeit, befristeten Jobs oder Praktika durchschlagen. Was wir in der aktuellen Krise der letzten Monate und Jahre erleben, das führt nicht nur dazu, dass Millionen von Menschen weiter in Armut gedrängt werden, das führt auf Dauer zu einer gespaltenen Gesellschaft, in der Gerechtigkeit und Solidarität Fremdwörter sind. Das führt auf Dauer zu einer Gesellschaft, die das genaue Gegenteil davon ist, wofür wir als Gewerkschaften stehen, woran wir glauben und wofür wir tagtäglich in den Betrieben kämpfen. Das muss zwangsläufig auch dazu führen, dass die Schiedsrichter ausgetauscht werden, wenn sie ihren Job nicht machen und keine rote Karte zücken, wenn die Arbeitgeber foulen. Zum Beispiel in Schiltach, beim Felgenhersteller BBS. Dort erleben die Kollegen seit 2007, wie die Belegschaft immer weiter ausgedünnt wird und auch dort bekommen die Arbeitgeber mal wieder den Hals nicht voll. Nach vier Jahrzehnten guter Arbeit soll der Standort Schiltach platt gemacht werden, ohne Rücksicht darauf was das für die über 300 Beschäftigten und ihre Familien heißt. Auch in Schiltach muss es jetzt heißen: Das gibt rot!

Denn, Kolleginnen und Kollegen, mit Fairness hat das alles nichts mehr zu tun – und ehrliche Schiedsrichter würden schon lange Platzverweise aussprechen und die unfairen Spieler sperren. Die Schiedsrichter, das sollten eigentlich die Politiker sein. Deren Job wäre es, auf die Einhaltung der Regeln zu achten und Fouls angemessen zu bestrafen. Deren Job wäre es, auf Fairness und Chancengleichheit zu achten. Deren Job wäre es, die Interessen der Menschen zu vertreten, die sie gewählt haben. 

Deren Job ist ganz sicher nicht, den Zockern in Banken und Konzernen Hunderte Milliarden Euros nachzuwerfen und den Beschäftigten dann auch noch die Rechnung zu präsentieren. Deren Job ist am allerwenigsten, die Ärmsten der Armen als faul oder dekadent zu beschimpfen und sich völlig sinnlose Zwangsmaßnahmen auszudenken. Deren Job wäre es, den Armen und den Jungen in diesem Land wieder richtige Perspektiven zu geben und die Arbeitgeber in die Schranken zu weisen, anstatt sie in ihrer asozialen Politik zu unterstützen. Deshalb sage ich denen: Wir zeigen euch die gelbe Karte. Ich sage denen: Beim nächsten Mal gibt es Platzverweis. Und ich sage denen: Ihr habt die Rechnung ohne uns gemacht. Wir werden uns den Ball zurückholen, wir werden zeigen, dass wir uns nicht ins gesellschaftliche Abseits drängen lassen, dass die organisierte Gewerkschaftsjugend nicht auf miese Abseitsfallen von wem auch immer hereinfällt. Wir Jungen wissen, dass wir von der aktuellen Politik nichts zu erwarten haben, dass uns mit der Jugend in Athen, Rom oder Madrid viel mehr verbindet als mit den Politikern in Berlin und Brüssel. Wir wissen, dass die griechische so genannte „Generation 700 Euro“ oder die spanische „Generation Null“ die gleichen Sorgen und die gleichen Forderungen hat wie die Generation Prekär hierzulande. Genau wie wir fordern die ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ein, genau wie wir wollen die sich nicht damit abfinden, mit beschissenen Jobs abgespeist zu werden. Wir wissen auch, dass es in Griechenland, in Italien in Spanien und in vielen anderen Ländern ähnlich aussieht. Und wir wissen, dass in Wahrheit nicht Banken und Konzerne systemrelevant sind, sondern die große Menge der ehrlichen Menschen.

Kolleginnen und Kollegen, eines wissen wir aber auch: Wir alle gemeinsam stehen am Anfang eines Weges, der nicht einfach sein wird. Unsere Gegner spielen nicht in der Kreisklasse. Wenn wir Gerechtigkeit und Chancengleichheit durchsetzen und die Vergötterung der Märkte beenden wollen, dann müssen wir noch viel trainieren. Wir wissen was wir wollen, ok, das ist der erste Schritt, den haben wir gemacht, das ist auch hier zu lesen auf den Zukunftsbällen mit euren Forderungen. Da lese ich zum Beispiel „unbefristete Übernahme“, „mehr Ausbildungsplätze“ und „gerechte Löhne“. Das sind klare Forderungen und klare Ziele. Aber wissen wir auch, wie wir diese Ziele erreichen? Wissen wir, wie wir die Fouls der Arbeitgeber und ihrer Handlanger in der Bundesregierung kontern? Wissen wir, wie wir mit den Medien umgehen, wenn die rote Karte mal wieder fällig ist? Ich glaube, hier ist noch viel zu tun. Ich glaube, wir müssen noch stärker trainieren, um am Ball zu bleiben, auch wenn wir es mit einem starken Gegner zu tun haben. Auch hier ist es wie im Fußball. Ein Team, das nur die Angriffe des Gegners verteidigt, muss mehr in die Offensivarbeit investieren, um auch Tore zu schießen. Nur so können wir auch als Sieger vom Platz gehen. Wir müssen permanent und unüberhörbar unser Recht auf Zukunft einfordern. „Ständiger Druck bewirkt Fehlreaktionen des Gegners und unterstützt die eigene Aktion“, heißt es im Organizing, womit die Kollegen in Amerika riesige Erfolge haben einfahren können. Wir müssen uns die Bälle im richtigen Moment zuspielen und müssen bereit sein zum Doppelpass mit unseren Verbündeten zum Beispiel vom Bildungsstreik. Und wir müssen uns stärker damit auseinandersetzen, was moderne Demokratie für jeden Einzelnen von uns bedeutet – und was Macht in der Demokratie eigentlich ist. Kurz gesagt, wir alle müssen noch stärker trainieren, unsere eigenen Interessen mit einer selbstbewussten Offensivstrategie selbst durchzusetzen, weil es sonst niemand tun wird. So, und nur so, werden wir das Spiel gewinnen und unsere Ziele erreichen. Das gilt ganz besonders für die Zeit die vor uns liegt, für die Tarifverhandlungen im Herbst, in der wir die Übernahme für die Jungen durchsetzen müssen und in der wir uns keine Fouls gefallen lassen werden. Es liegt an uns, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Aber, auch das ist wie im Fußball, vieles hängt vom Trainer ab. Ein guter Trainer ist der Erfinder des Organizing, Saul Alinsky, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, die Interessen der Arbeiter und der Armen in den 20er Jahren in den USA durchzusetzen. Alinsky hat sich viel mit Macht beschäftigt und damit, wie viele Menschen gemeinsam den Mächtigen richtig einheizen können. Alinsky macht klar, dass es mehr bringt, wenn wir nicht alles auf einmal erreichen wollen, sondern uns immer auf ein paar klare Ziele konzentrieren, und das dann richtig und mit aller Kraft. Das ist das Erfolgsrezept hinter unserer Kampagne Operation Übernahme, das ist der Grund, warum wir in vielen Betrieben überall im Land unsere Forderungen bereits durchsetzen konnten. Und das muss auch der Weg sein, den wir in der zweiten Halbzeit gehen, die jetzt vor uns liegt und in der wir mindestens so viel Erfolg mit unserer Kampagne haben wollen wie bisher.

Das ist aber auch der Grund, warum wir heute unseren großen Aktionstag in ganz Baden-Württemberg veranstalten, warum in fünf Städten gleichzeitig für Zukunftsperspektiven für die Jugend gekämpft wird. Nicht zuletzt ist das der Grund, warum wir alle zusammen mit unseren Zukunftsbällen gleich eine gemeinsame Aktion vorhaben, die ein starkes und überzeugendes Bild abgeben soll, ein Bild, das den Menschen klar macht: An uns kommt man nicht mehr vorbei. Ein Bild, das eine klare Botschaft ins ganze Land und darüber hinaus sendet: Wir lassen uns unsere Zukunft nicht vermiesen. Gemeinsam mit den Kollegen im ganzen Land und in ganz Europa werden wir für sichere Beschäftigung, für Bildung und Ausbildung und gerechte Löhne kämpfen. Für eine bessere Zukunft. Für unsere Zukunft. Und das schreibe ich jetzt hier auf meinen Zukunftsball. Denn wir wissen: Die Zukunft gehört der Jugend, die Zukunft gehört uns!

Vielen Dank.

Die Rede von Eric als PDF

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